Blamabel? Von wegen!

Na da dürfte sich auch Jogi Löw die Augen gerieben haben. Um 18 Uhr spielten Italien und Spanien den Gegner für die Deutschen im Viertelfinale aus. Überrascht wurden dabei vor allem die Spanier, welche mit der Taktik der Italiener ganz offensichtlich nicht gerechnet hatten. Die begannen nämlich hochmotiviert und griffen die Spanier früh und schnell an. Die Attacken gegen die spanischen Ballzauberer hatten Erfolg.
Der Spielfluss des Noch-Europameisters wurde im Keim erstickt, von wegen die Italiener können sich nur hinten mit zwei Ketten rein stellen! Die Oldies des Turniers bewiesen ihre ganze Klasse und zeigten, dass Erfahrung eben doch nicht ganz so unwichtig ist. Vor allem, wenn es gegen solche große spielerisch veranlagte Mannschaften geht.

Die Spanier fanden kein Mittel, weil sie eben überhaupt nicht dazu kamen ihr Kombinationsspiel aufzuziehen.

Das 1:0 für die Italiener war letztlich nur eine Frage der Zeit, denn sie störten nicht nur, sondern erarbeiteten sich auch gute Möglichkeiten. Aus einem Standard, den der spanische Keeper abprallen lassen musste, fiel dann das Tor für die Italiener. Chiellini schaltete am schnellsten und verwandelte den Nachschuss.

Doch so konnte es unmöglich weiter gehen. Denn wer glaubte denn, dass die älteste Mannschaft des Turniers in solche einem Tempo weiterlaufen würde? Und genau dies konnten sie auch nicht. Die Spanier kamen deshalb besser ins Spiel. Fortan waren sie die spielbestimmende Mannschaft und kamen zu einigen Großchancen, die Kult-Keeper Buffon aber alle zunichte machte.

Den Spaniern lief die Zeit davon und dann bekamen sie in der 90. Minute den logischen K.O.-Schlag per Konter, vollendet mit einem Rechtsschuss von Pelle.

Die Deutschen werden sich nicht sehr darüber gefreut haben, denn die Spanier wären das einfachere Team gewesen. Ganz einfach schon deshalb, weil ihre Spielweise bekannt ist. Was die Italiener aber am Samstag gegen Deutschland aus dem Hut zaubern werden, bleibt ein großes Fragezeichen. Werden sie die Deutschen genauso beackern wie die Spanier oder stellen sie sich mit zwei Viererketten hinten rein. Oder kommt noch etwas ganz anderes auf Löw & Co. zu?

Das zweite Spiel zwischen Island und England begann mit keiner Überraschung. Die Engländer gingen nämlich völlig erwartungsgemäß mit 1:0 in Führung. Einen berechtigten Elfer verwandelte Rooney souverän.

Doch was dann kam, lies so manchen Experten mit offenem Mund da stehen. Die Isländer glichen nicht nur umgehend in der 6. Minute durch Sigurdsson aus, sondern setzten nur 12 weitere Minuten später einen drauf. Sigthorsson ließ Keeper Hart, welcher den Ball nicht festhalten konnte, ganz schlecht aussehen und schon war die Überraschung perfekt. Ab da mussten die Isländer eigentlich nur noch verteidigen – doch Pustekuchen.

Wer dachte die Underdogs stellen sich hinten rein und bringen das Spiel über die Zeit, lag falsch. Die Isländer spielten weiter mit, kombinierten, erarbeiteten sich weitere Chancen. Die gab es auch auf Seiten der Engländer, doch letztlich gewannen die Außenseiter tatsächlich mit 2:1. Und das war völlig verdient.

„Sigthorsson schoss das Siegtor!“ Endlich durfte ARD Kommentator Tom Bartels den platten Witz rauslassen, den er wahrscheinlich schon das gesamte Turnier auf den Lippen hatte.
Während die ersten Medien inklusive Bartels schon von blamabelsten Ausscheiden der Engländer sprachen, taten sie den Isländern einfach unrecht. Mit den Leistungen, welche sie während des Turniers gezeigt haben, beweisen sie, dass sie längst auch zu den „Großen“ Europas gehören. Und wer ein Blick hinter die Kulissen dieses sportverrückten Landes wirft, wird merken, dass diese Isländer dem Fußball garantiert noch ein paar Jahre erhalten bleiben.

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