Bratwurstgeruch auf dem Spielfeld

Andreas Lambertz SG Dynamo Dresden 17 am Ball Freisteller Einzelbild Aktion Fussball 3 LigaDas mentale Auf und Ab des Spielplans.

Über 30.000 Fans peitschten die schwarz-gelben Jungs nach vorne. Der Gegner kein geringerer, als der Deutsche Rekordmeister Bayern München. Nur drei Tage zuvor, das gleiche Bild, doch der Gegner hieß Rot-Weiß Erfurt. Zweimal innerhalb von drei Tagen war das Dynamostadion ausverkauft.

Doch dann kam die Realität, dritte Liga bei den Amateuren von Mainz05. Obwohl die fußballerisch momentan eine ganz andere Kragenweite, als Rot-Weiß Erfurt sind, der Kontrast im Umfeld könnte kaum größer sein. Zwar machten wieder ein paar tausend mitgereiste Dynamofans Alarm, doch letztlich sorgten 3424 Zuschauer nicht gerade für ein Fußballfest. Erinnerungen an die Vorsaison wurden wach, denn genau nach solch glanzvollen Spielen wie gegen Schalke, verlor Dynamo die Punkte auswärts auf den weniger glitzernden Sportplätzen der Liga.

Und das ging nun so weiter. Am darauffogenden Mittwoch Abend war wieder Derby, Flutlicht, Gänsehautatmosphäre. Wieder kein 0815-Fussballspiel. Dynamo ging zu Recht in Führung, der HFC drehte das Spiel, Dynamo drehte es zurück. Dramatik, Emotionen, Euphorie. Der ganz normale Wahnsinn.

Keine drei Tage später wieder Kontrast pur. Dynamo spielte bei den Amateuren von Werder Bremen. Von großer Fußballkunst keine Spur. Doch mit etwas Glück konnten die Dresdner auch hier drei Punkte mitnehmen. Ob es wirklich verdient war? Darüber kann man wahrlich streiten. Nun steht wieder ein Derby gegen den Chemnitzer FC an. Das Stadion ist selbstverständlich längst ausverkauft.

Dieses Kontrastprogramm ist nicht einfach und eine Besonderheit der dritten Liga. Wie schwer sich selbst Erstligisten damit tun, ist immer wieder an den Pokalsensationen zu sehen. Die Zeiten, wo die teuren Profis die kleinen Vereine auf die leichte Schippe nehmen, sind dabei längst vorbei. Zumindest tun sie das nicht absichtlich. Doch dieser Wechsel von voller Hütte, Flutlicht, TV Kameras hin zum beschaulichen Sportplatz mit Kumpelatmosphäre und Bratwurstgeruch bis aufs Spielfeld ist mental für manche Spieler einfach schwer zu verarbeiten.

Das sollte es aber nicht sein, findet Sportpsychologe Jürgen Walter. „Der mental gute Spieler kann das, was im Training klappt, auch abrufen, wenn es drauf ankommt. Egal ob da 3.000 oder 30.000 Zuschauer da sind.“ Dass dies aber viele nicht können, weiß Jürgen Walther aus seiner langjährigen Erfahrung mit den Sportlern. „Viele Profispieler haben das leider aber nicht drauf, weil sie mental einfach nicht austrainiert sind.“

Während ganz viele Spieler das Problem eher dann haben, wenn sie plötzlich vor 30.000 Leuten spielen müssen, ist es bei Dresdens Spielern umgekehrt, denn ein volles Stadion sind die meisten inzwischen gewöhnt.
Dass man auch in der ländlichen Idylle vor wenigen Zuschauern kein Problem bekommt, kann man laut Walter trainieren. Der Sportpsychologe erklärt die Ansätze: „Ich muss mich selber beschummeln und mir einfach einreden ‚Heute ist das geilste Spiel meiner Karriere.‘ Das ist aber eben kein Automatismus. Genau deshalb kann man es nicht dem Zufall überlassen.“
Zum Glück ist davon aber nicht jeder automatisch betroffen. Viele Spieler haben auch gar kein Problem damit. „Das ist eine ganz individuelle und persönliche Sache. Jeder versteht unter mentalem Stress etwas anderes“, so Jürgen Walter.

Für Teams wie Dynamo kann dies am Ende der Saison ein entscheidender Faktor sein. Wer am besten mit diesen Situationen zu recht kommt, wird am Ende oben stehen. Denn das Problem hat nicht nur Dynamo. Für Magdeburg, Hansa, Chemnitz usw. sieht das letztlich nicht anders aus. Allerdings haben die nicht Dynamos Saisonziel.

 

Foto: Andreas Lambetz sorgte erst für den Ausgleich und musste dann völlig unberechtigt mit Gelb-Rot vom Platz. (Imago)

 

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