Cooler Franzose mit dem Zeug zum Liebling

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Er sei jetzt beim geilsten Verein seiner Karriere. Das waren so ungefähr die Worte von Jeff Kornezky nach seinem Wechsel zu Dynamo Dresden.
Der Franzose kam bekanntlich kurz vor dem Ende des Transferfensters von Rot-Weiß Erfurt und soll den verletzten Patrick Wiegers ersetzen. Dies war nötig geworden, weil Dynamos Torwarttalent Markus Schubert für die U17 WM eingeplant ist.

Mit Jeff Kornezky hat Dynamo einen erfahrenen Keeper gefunden, der in Erfurt schon mit gepackten Koffern auf ein neues Angebot wartete. Im Juni teilte Erfurts Manager Torsten Traub bereits mit, dass die Rot-Weißen nicht mehr mit dem Keeper planen. Dabei hatte Kornetzky noch einen Vertrag bis 2016.
Doch während der Sommerpause fand der 33jährige keinen neuen Verein. Nach dem ersten Spieltag gab Erfurt bekannt, dass Kornetzky wieder mit im Training sei, doch er machte nur die torwartspezifischen Einheiten mit, um fit für den Markt zu bleiben.

Und wie schnell es gehen kann, zeigte nun die Verpflichtung seitens Dynamo. Hier bekam er einen neuen Kotrakt bis zum Saisonende. Viele Keeper mit Kornetzkys Klasse wird es nicht gegeben haben, die bereit waren, nur ein solch kurzfristiges Engagement einzugehen. Für Kornetzky bot sich jedenfalls nochmal eine große Chance. Statt in die Regionalliga gehen zu müssen, hat er nun die Chance, bei einem wirklich großen Verein ein Zeichen zu setzen. Auch wenn er nur geholt wurde, um die Bank warm zu halten. „Mit Jeff konnten wir kurzfristig einen Torhüter nach Dresden holen, der einerseits viel Erfahrung mitbringt, andererseits die bestehende Torhüterhierarchie zu 100 Prozent akzeptiert und sich voll in den Dienst der Mannschaft stellen wird“, formulierte Ralf Minge die Rolle des Bankdrückers natürlich viel eleganter. Doch wer weiß, vielleicht hat er sogar nochmal das Glück und kann ein großes Spiel machen. Wie schnell das alles gehen kann hat gerade erst Patrick Wiegers gezeigt. Er kam ja auch quasi aus der Arbeitslosigkeit heraus zu Dynamo und hielt als eine der ersten Amtshandlungen gleich mal einen Elfmeter. Bereit wird der Franzose auf jeden Fall sein. „Jeff wird seine Erfahrung an unsere Torhüter weitergeben und im Notfall auch bereit stehen.“ so Minge.

Dynamos Nummer Eins Jannis Blaswich kommt mit seinem neuen Kollegen „super klar“ und findet Dynamos Entscheidung „sehr professionell“. Weiter sagte er: „Wir müssen einfach gut aufgestellt sein, um die Qualität in der Mannschaft zu haben. Und die haben wir überall.“ Während Jannis Blaswich den Journalisten nach dem Chemnitz Derby die vielen Fragen beantwortete, schlürfte Kornetzky in Badeschlappen durch die Mixedzone. Ganz cool und so als wäre er schon immer da. Er scheint sich selbst in den Katakomben des Stadions schon wohlzufühlen und das, obwohl vor etwas mehr als einer Woche das Steigerwaldstadion noch seine Heimat war.

Jannis Blaswich(24), welcher auch nur eine Saison nach Dresden ausgeliehen ist, kann genau wie Markus Schubert(17) und auch Patrick Wiegers (25) sicherlich von seiner großen Erfahrung im Training profitieren.

Jeff Kornetzky hat die Möglichkeit auf hohem Niveau weiter zu trainieren und mit 33 Jahren kann es für den gebürtigen Weißenburger (Wissembourg) vielleicht nochmal einen zweiten Frühling seiner Karriere geben. Die Chancen in der nächsten Spielzeit erneut von einem Zweit- oder Drittligateam einen Vertrag zu bekommen, scheinen jedenfalls wieder gestiegen. Vielleicht sogar in Dresden? Als Keeper hat er ja gerade sein bestes Alter erreicht.

Dass er es drauf hat, steht ohnehin außer Frage. Er stand in der 1. Bundesliga ganze neunmal für den Karlsruher SC im Kasten, in der 2. Liga achtmal und in der dritten Liga hielt er für Sandhausen und Erfurt insgesamt sechsmal das Tor mehr oder weniger sauber.

Eine wirkliche Nummer Eins war der Franzose aber nie. Beim KSC kam er an der Legende Markus Miller nicht vorbei. Nach seinem Weggang vom KSC im Jahr 2011 schien sich die sportliche Laufbahn schon dem Ende zu nähern. Der 1,91Meter große Keeper wechselte erst in die Regionalliga und später sogar in die fünftklassige französische Liga.

Doch statt irgendwo auf den Wald und Wiesen Bolzplätzen der unteren Ligen Europas zu versauern, machte er sich am Sonntag erstmals vor dem K-Block im ausverkauften „Dynamostadion“ warm. Besser hatte er es auch zu seinen größten KSC Zeiten nicht!

Klar, dass dies für Kornetzky nochmal eine ganz starke Geschichte ist. Und wer weiß, noch ist sie nicht zu Ende geschrieben. Auch wenn Franzosen in Dresden nach dem Zweitligaabstieg nicht mehr den allerbesten Ruf genießen, dieser Kornetzky braucht keinen Deutschunterricht und ist einer, der das Zeug zum Publikumsliebling hat. Dazu muss er allerdings mindestens einen Elfmeter halten, besser wären gleich zwei in einem Spiel.

Foto: Jeff Kornetzky beim Warmmachen (Sportzeitung)

 

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