Der Zittersieg, der gar keiner war

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Mit 1:0 gewann am Sonntag Nachmittag Dynamo Dresden das Sachsenderby gegen den Chemnitzer FC und baute damit die Tabellenführung aus. Allerdings spielten Magdeburg und die zweite Mannschaft von Mainz an diesem Wochenende nicht, denn insgesamt drei Partien wurden wegen der Länderspielpause verlegt.

Dynamo Dresden holte deshalb extra Marvin Stefaniak von der U20-Länderspielreise frühzeitig zurück und musste dann kurz vor dem Spiel doch noch einen Ausfall hinnehmen. Der Finne Tim Väyrynen wurde kurzerhand zur finnischen Nationalelf gerufen. Die spielt am Montag Abend in der EM-Qualifikation gegen Färöer. Einer hat sich natürlich ganz besonders gefreut, als der Finne die Teammitglieder per WhatsApp über seine kurzfristige Nominierung unterrichtete. „Wir haben uns alle für den Tim gefreut. Für mich war es schön, weil die Wahrscheinlichkeit somit größer war, dass ich heute von Anfang an spiele“, so Stürmerkollege Pascal Testroet, welcher die bekommene Chance perfekt zu nutzen wusste.

Dynamo musste zudem noch den gelb-rot gesperrten Andreas Lambertz im Mittelfeld ersetzen. Und genau wie wir es schon voraus orakelt hatten, entschied sich Trainer Neuhaus für die defensivere Variante mit Quirin Moll. Doch der kam nicht auf die Position von Lambertz, sondern nahm Marco Hartmanns Rolle, als Abräumer vor der Abwehr ein. Hartmann wechselte dafür auf „Lumpis“ Position in der Doppelsechs neben Aosman.

Die erste Hälfte begann, wie erwartet. Beide Mannschaften versuchten das Spiel zu machen. Viele Kombinationen im Mittelfeld und immer wieder der Versuch schnell in die Spitze zu spielen, brachten aber auf keiner Seite wirklich gefährliche Torchancen ein.

„Wir haben in der ersten Halbzeit versucht in Ruhe unser Spiel aufzubauen, hatten aber nicht die wahnsinnig großen Torchancen. Wir waren einige Male über die Seite durch und haben dann aber den eigenen Mann nicht gefunden“, resümierte Dynamo Trainer Uwe Neuhaus. Sein Trainerkollege Karsten Heine erklärte die Chemnitzer Taktikvorgabe: „Wir haben lange Zeit viel investiert, um die Kombinationsmaschine der Dresdner nicht in Fahrt kommen zu lassen. Wir haben sehr früh versucht zu stören und das ist uns bis zum 1:0 auch recht gut gelungen.“

Tatsächlich machten die Himmelblauen bis dahin einen guten Job. Doch Dynamo kam mit mehr Biss aus der Kabine. „Wir haben uns in der Halbzeit vorgenommen, genauso weiterzuspielen“, so Uwe Neuhaus, welcher natürlich darauf spekulierte, dass die Chemnitzer bei dem Druck irgendwann einen individuellen Fehler machen würden. Und so kam es auch. In der 52. Minute leitete Nils Teixeira den Angriff ein, welchen der für den Finnen spielende Pascal Testroet souverän zur Führung verwandelte.

„Ich freue mich, dass ich getroffen habe und wir die Tabellenführung ausbauen konnten“, so der Torschütze nach dem Spiel. Doch das war zu diesem Zeitpunkt des Spiels längst nicht sicher. Die Chemnitzer waren gezwungen nun mehr zu riskieren und Dynamo kam zu einer Konterchance nach der anderen. Doch sie konnten keine davon nutzen. „Wir haben die Konter leider nicht gut ausgenutzt, obwohl viele Möglichkeiten da waren“, weiß Quirin Moll, dass so etwas oftmals im Fußball auch nach hinten losgeht. „Wir haben aber heute hinten so gut gearbeitet, dass wir dafür nicht bestraft wurden.“

Auch Aosman sieht in den verschenkten Kontern den einzigen Kritikpunkt der schwarz-gelben Leistung. „Wir hatten zwei, drei Möglichkeiten und müssen das besser ausspielen.“ Doch er trat nach dem Spiel auch ganz selbstbewusst auf: „Chemnitz ist eine sehr gute Mannschaft, aber man hat heute gesehen, dass wir besser sind.“ Was genau Dynamo momentan besser macht? „Die individuelle Klasse“, so Aosman lächelnd.

Andere sehen da aber vielmehr die mannschaftliche Geschlossenheit als Grund. So zum Beispiel Quirin Moll: „Jeder ist für jeden gelaufen und hinten haben wir kompakt gestanden. Dann kannst du auch nach vorne Gas geben.“

Und natürlich freute sich auch der neue Dynamo Keeper Janis Blaswich, welcher zwar wieder kaum etwas zu halten hatte, aber trotzdem von Spiel zu Spiel mehr Sicherheit ausstrahlt, über das erste Spiel zu Null: „Als Torwart freue ich mich riesig zu Null zu spielen. Wir standen hinten gut und sehr kompakt. Aus dieser Kompaktheit heraus, haben wir versucht unser Spiel aufzuziehen. Riesen Respekt an die ganze Mannschaft, die hat sehr gut verteidigt.“

Verteidigen musste Dynamo tatsächlich aufgrund der ungenutzten Konter bis zum Schluss. „So war es natürlich in der Schlussphase eine sehr hektisches Spiel, weil Chemnitz den Ball immer wieder nach vorne tragen wollte. Beim Stand von 1:0 zittert man da immer ein bisschen und trotzdem haben wir auch in dieser Phase nie die Nerven verloren“, lobte Uwe Neuhaus seine Spieler. „Es war die konzentrierteste und diszipliniertestes Leistung der Saison. Wir haben immer versucht Fußball zu spielen und auch unter Druck die Ruhe bewahrt.“

Druck und Hektik kamen nochmal auf, vor allem als wenige Sekunden vor Schluss CFC-Keeper Kunz noch die rote Karte sah und ein Feldspieler das Torwarttrikot überziehen musste. Er beging eine Tätlichkeit gegenüber Tekerci, welcher ihn am Abschlag hindern wollte. Deshalb gab es auch keinen Elfmeter für Dynamo, denn Schiri Dingert hatte Tekerci schon wegen der Behinderung verwarnt.

Kurz danach war jedoch Schluss und das erste zu Null in einem Sack, der hätte schon viel eher zugemacht werden können. Am Ende fragt da aber niemand mehr nach. Drei weitere Punkte wandern auf Dynamos Konto. Am nächsten Samstag steht die nächste schwierige Aufgabe bei Fortuna Köln an.

(Foto: Sportzeitung)