Die Taktik gewinnt

Die ersten drei Achtelfinals sind Geschichte. Die Schweiz gegen Polen war sportlich, wie die meisten Spiele der EM bislang, nicht auf ganz hohem Niveau, aber am Ende wurde es wenigstens spannend.

Schweiz – Polen 4:5 n.E.
Die schweizer Medien jubelten im Vorfeld ihre Mannschaft schon hoch. Man sprach von der historischen Chance sogar bis ins Finale zu kommen, denn sie dachten, die einfachere Seite der Spielansetzungen erwischt zu haben.

Da hatten sie sich aber etwas vertan, denn dass Polen nicht im Vorbeigehen zu bezwingen ist, merkten auch schon die Deutschen.

Und vor allem, wenn man eben erst sehr spät anfängt volle Leistung abzuliefern. Die Polen gingen in der 39. Minute durch Blaszczykowski in Führung und bis dahin war das auch allemal verdient. Dann drehten die Schweizer auf und erarbeiteten sich hier und da Chancen bis hin zu einem Lattentreffer. Aber dann kam der von den Schweizern viel kritisierte Shaqiri. In der 82. Minute nahm er das Herz in die Hand und setzte zum Fallrückzieher an der Strafraumgrenze an. Der Treffer zum Ausgleich wird wohl fortan in den Technik-Lehrvideos aller Jugendmannschaften Platz finden. Schnell ist von einem Traumtor gesprochen, aber das war tatsächlich eines, welches man nicht anders bezeichnen kann.

Und das reichte um in die Verlängerung und danach ins Elfmeterschießen zu kommen. Dies ist für neutrale Zuschauer ja ohnehin das Beste an den K.O.-Spielen. Xhaka haute den Ball als zweiter schweizer Schütze am Tor vorbei, alle anderen trafen. Die Polen konnten jubeln, die Schweiz ist raus. So einfach scheint diese Seite der Spielansetzung eben doch nicht zu sein.

Wales – Nordirland 1:0

Mit einem Brexit-Game ging es weiter. Zwei britische Teams gegeneinander. Nordirland gegen Wales gab schon mal einen Vorgeschmack, wie es eben ist, wenn Briten unter ihren eigenen Flaggen auflaufen. Der Fußball hatte da schon immer seine eigene Meinung und so gibt es in Großbritannien eben mehrere Fußballverbände. Da sind die Fußballfans nie im Vereinigten Königreich angekommen.

Doch zurück zum Sportlichen. Im britischen Derby legte Wales nach 20 Minuten vor, doch das Tor zählte nicht, die Fahne war oben. Doch danach ließen die Waliser nach, die Nordiren hielten sie vom Tor weitgehend weg und setzten ihre Nadelstiche. Irgendwie war es bezeichnend, dass ausgerechnet ein Eigentor zum 1:0 der Waliser führte. Zuvor war Bale an die Grundlinie gelaufen und spielte den Ball herein zum heranlaufenden Robson-Kanu. Der Nordire McAuley musste retten, leider aber in das eigene Tor. Es blieb der einzige Treffer und der Neuling aus Wales schreibt weiter EM-Geschichte. Das Spiel war eines Achtelfinals nicht wirklich würdig. Besser gesagt, die weniger schlechte Mannschaft zieht ins Viertelfinale ein. Allerdings hat Wales im Laufe des Turniers auch schon bessere Leistungen gezeigt, weshalb es auch irgendwo verdient ist.

Kroatien – Portugal 0:1

Tja und wer nun am Abend auf einen Fußballleckerbissen gewartet hat, der wurde natürlich enttäuscht. Die im Turnier bislang starken Kroaten gegen schwächelnde Portugiesen, welche gegen Ungarn aber gezeigt hatten, dass sie noch mitspielen. Das klang nach mehr, als am Ende rauskam. Der nächste Fußballlangweiler der EM. Nach einer lahmen Halbzeit ging es ohne nennenswerte Chancen mit einem 0:0 in die Pause.
Und an der Stelle muss man auch mal den Kommentatoren der EM ein Kompliment machen. Sie werden nicht müde dem Zuschauer zu erklären, dass die Spiele selbstverständlich taktisch auf hohem Niveau ablaufen. Und das ist ja tatsächlich so, nur macht es den Fußball eben nicht gerade attraktiver. Vor allem für den neutralen Beobachter der Spiele. Der Unterschied zu den Gruppenspielen besteht nun Gott sei Dank darin, dass es einen Sieger geben muss. Irgendeine Mannschaft muss also die taktische Linie verlassen, es sei denn beide wollen ins Elfmeterschießen kommen. So sah es lange Zeit aus. Erst fünf Minuten vor Ende der 120 Minuten riskierten beide mehr. Erst trafen die Kroaten nur den Pfosten und wurden daraufhin umgehend ausgekontert. Ronaldo traf nur den Keeper und Quaresma konnte den Abpraller zum 1:0 verwandeln. „Es waren die besten 35 Sekunden des Spiels“, fasste es ZDF Moderator Bela Rhety zusammen und traf es damit ganz genau auf den Punkt. Schade für alle, die sich schon auf das Elfer schießen als Entschädigung für einen langweiligen Abend gefreut hatten.