Frankreich tut sich schwer

Nun hat sie also endlich begonnen. Die Fußball Europameisterschaft 2016 findet nun nicht nur in Form von teils lächerlichen Werbeaktionen jedes noch so unbekannten Produktes statt, es wird endlich auch Fußball gespielt.

Mit Gastgeber Frankreich gegen Rumänien ging es gestern Abend los und die Partie hielt, was sie im Vorfeld versprach. Kurz gesagt, es war ein typisches Eröffnungsspiel, bei welchem eigentlich nie Zweifel aufkamen, dass es Unentschieden ausgehen würde.
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Beide Mannschaften begegneten sich auf Augenhöhe, was die erste Überraschung des Turniers war, denn Frankreich war auf dem Papier mit der individuellen Klasse seiner Spieler natürlich klarer Favorit. Doch die Franzosen begannen sehr verhalten, fast nervös. Rumänien hatte daher schon nach knapp vier Minuten die erste 100%ige Chance, einzig der französische Keeper stand goldrichtig.

Das jedenfalls rüttelte die Tricolore wach. Offensivstar Griezmann zeigte wie gefährlich sie sind, als er in der 15 Minute per Kopf nur den Pfosten traf.

Frankreich war nun besser im Spiel, doch die Rumänen hielten frech dagegen und ließen kaum Chancen zu. Ganz im Gegenteil die Osteuropäer kamen immer wieder gefährlich bis an den 16er der Franzosen. Am Abschluss haperte es allerdings.

Und als wahrscheinlich die ersten Zuschauer schon am wegnicken waren, kam Griezmann wie aus dem Nichts mit einem Schuss aus der Distanz, der knapp das Tor verfehlte.

Noch zehn Minuten bis zur Pause, aber so richtig kam auch jetzt das Spiel noch nicht in Fahrt. Da verwunderte es kaum, dass die Fans im Stadion und Béla Réthy am Mikro des ZDF sogar den Atem anhielten, als nach einem Standard der Ball nur knapp über das Tor ging. Dass der Keeper den locker gehalten hätte, wurde einfach nicht erwähnt, um den Spannungsbogen hochzuhalten.

Frankreich tat sich schwer, die Rumänen waren sicherlich nicht leicht zu bespielen, doch man wird letztlich erst im Laufe des Turniers sehen, wie stark sie wirklich sind.

Aus der Kabine kamen die Gastgeber jedenfalls wieder mit viel Druck. Nun zeigte sich wieder die individuelle Klasse eines Pogba oder Payet, doch rein wollte der Ball nicht, denn der Keeper der Rumänen zeigte einmal mehr eine enorme Reaktion.

Erst in der 57. Minute hatte er nichts mehr zu halten. Wieder war es Payet der die Vorarbeit leistete und Girout kam mit dem Kopf ein paar Zentimeter vor dem Keeper an den Ball. 1:0-Jubel im Stade de France.

Wer glaubte, die Franzosen hätten damit den Schlüssel zum Spiel gefunden, sah sich getäuscht. Rumänien zeigte sich überhaupt nicht geschockt, drängte weiter in Richtung des gegnerischen 16ers und wurde belohnt. Evra holte Stanciu von den Beinen und der bekam zurecht den Elfmeter. Der Gefoulte trat selber an und schob den Ball ins rechte Eck zum 1:1.

Unentschieden? 1:1? Da war doch mal etwas. Ja, die Annahme, dass Eröffnungsspiele meist langweilig sind und Unentschieden ausgehen, kommt nämlich aus der Zeit von 1988 bis 1996 als alle drei Eröffnungsspiele tatsächlich 1:1 ausgingen. Genauso wie in der letzten Europameisterschaft 2012.

Und genau mit dem Ergebnis hatten sich auch fast alle schon abgefunden. Aber eben nicht alle. Vor allem der beste Mann auf dem Platz Dimitri Payet von West Ham wollte es nochmal wissen und zog in der 87. Minute ansatzlos von der Strafraumgrenze zum unhaltbaren 2:1 für die Franzosen ab.

Glück gehabt. Frankreich gewinnt das Eröffnungsspiel und es war, obwohl es ein ausgeglichenes Match war, letztlich aber auch nicht unverdient. Für den weiteren Verlauf des Turniers kann dies zudem nur gut sein, denn man stelle sich vor, der Gastgeber würde schon in der Gruppenphase ausscheiden.

Heute geht es bereits um 15 Uhr weiter. Auf den fußballerischen Leckerbissen Albanien – Schweiz folgt der Kracher Wales gegen Slowenien. Spaß beiseite. Auf dem Papier klingt es nun nicht gerade nach ganz großer Fußballkost, aber wer weiß… Die Schweiz sollte mit Albanien eigentlich weniger Probleme bekommen, Wales und die Slowakei sind ganz schwer einzuschätzen. Richtig spannend wird es am Abend, wenn die Engländer gegen Russland ins Turnier starten. Auch das Mutterland des Fußballs haben einige „Experten“ wieder auf dem Zettel, wenn es um den Titel geht. Aber steht auf diesem Zettel England nicht irgendwie immer? Solch individuelle Klasse wie die Franzosen haben die Engländer nicht in ihren Reihen, aber vielleicht ist genau das der Punkt. Als Mannschaft sind die Franzosen nämlich gestern nicht wirklich aufgetreten. Und nur darüber wird es den Titel zu holen geben.