Italien-Fluch besiegt

„Köhlers Kolumne“ – Dynamos ehemaliger Torhüter und langjähriger Torwarttrainer Thomas Köhler kommentiert auf sportzeitung-online.de die deutschen Spiele der Europameisterschaft 2016 –  Deutschland : Italien  7:6 n.E. (1:1)
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Die Deutschen haben doch mit einer Dreierkette angefangen, wie vielfach schon vermutet wurde. Man merkte den Spielern allerdings an, dass diese Taktik von den Lauf- und Passwegen sowie vom Offensiv- und Defensiverhalten her, eine Umstellung war. Auch wirkte sich die Dreierkette auf das deutsche Angriffs- und Kombinationsspiel aus, das nicht so funktionierte wie zuletzt. Erschwerend kam hinzu, dass Khedira verletzungsbedingt früh ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Schweinsteiger, der aber sofort Verantwortung übernahm, oft in der Spitze auftauchte und seine Sache insgesamt gut gemacht hat. Man merkte ihm allerdings doch seine lange Verletzungspause an.

Die Italiener waren in der ersten Halbzeit im Spiel nach vorne zielstrebiger, konnten schnell umschalten und versuchten, zügig in die Spitze zu spielen. Im Gegensatz dazu versuchten die Deutschen, den Ball zirkulieren zu lassen. Das war für die Italiener jedoch leicht zu verteidigen, gerade in der ersten Halbzeit.

Im zweiten Durchgang sah das etwas anders aus. Hier war das Spiel insgesamt schneller, so dass die Deutschen völlig verdient in Führung gingen, nachdem nach einer Hereingabe Özil richtig stand und so zum 1:0 versenkte.
In der Folgezeit riskierten die Italiener offensiv mehr und erspielten sich so die eine oder andere Möglichkeit. Nach einer Standardsituation kam es dann zu dem Elfmeter, wo man nicht richtig nachvollziehen konnte, was Boateng mit seinen hochgerissenen Armen bewirken wollte. Vielleicht wollte er zeigen, dass er nicht mit den Händen schiebt, schubst oder den Gegner damit festhält, aber das Ganze ging nach hinten los. So kann man letztlich von einem berechtigten Elfmeter für die Italiener sprechen. Vorher hatte Gomez noch die große Chance zum 2:0, wo Buffon sensationell hielt. Das wäre wohl die Entscheidung gewesen.

So fiel das 1:1 und es kam zur Verlängerung, wo beide Mannschaften kaum noch etwas riskierten und sich auf ein Elfmeterschießen einließen. Hier war das Glück dann auf Seiten der Deutschen, gerade wenn man den letzten Elfmeter von Hector betrachtet, der unter dem Körper von Buffon durchgeht.

Aber ich denke trotzdem, dass der Sieg für Deutschland in Ordnung ging, da sie konstruktiver spielten, mehr Ballbesitz und Spielanteile hatten.

Im Nachhinein muss sich das deutsche Team aber überlegen, ob es Sinn macht, von einer eingespielten Taktik mit einer Viererkette, zwei Sechsern und vier Offensivspielern abzurücken und sich dem Gegner so einzustellen. Denn in dem altbewehrten System sind die Lauf- und Passwege abgestimmt und automatisiert. Am Ende ist es gut gegangen, aber ich gehe davon aus, dass im Halbfinale wieder zum alten System zurückgekehrt wird. Ansonsten freuen wir uns auf den Halbfinaleinzug der deutschen Elf und auf zwei tolle Spiele, die hoffentlich noch vor uns liegen werden.

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