Jetzt kommt eine andere Hausnummer

„Köhlers Kolumne“ – Dynamos ehemaliger Torhüter und langjähriger Torwarttrainer Thomas Köhler kommentiert auf sportzeitung-online.de die deutschen Spiele der Europameisterschaft 2016 –  Deutschland : Slowakei  3:0

Die von der ersten Minute hoch überlegene deutsche Mannschaft setzte die Slowaken unter Druck.
Folgerichtig gingen sie schon früh in der achten Minute durch einen super Schuss von Boateng in Führung. Nach einer Standardsituation kam der Ball wieder in den Rückraum, aus welchem Boateng einfach mal aus 23 Metern abzog.
Boateng wusste, bei wem er sich bedanken musste, als er nach dem Tor jubelnd zur medizinischen Abteilung lief. Denn die hatten ganze Arbeit geleistet und die Wade wieder fit bekommen.tiguan

Danach blieben die Deutschen am Drücker und auch wenn Özil einen Elfmeter verschoss, war er aus meiner Sicht neben einem richtig starkem Draxler einer der Aktivposten.
Von den Slowaken kam lange Zeit nicht ein Schuss aufs Tor von Manuel Neuer, der aber kurz vor der Pause dann blitzartig zur Stelle war und den Ball aus dem Winkel holte. Weltklasse!

Keine zwei Minuten später zeigte wieder Gomez seine Qualitäten. Er hat eben einen Torriecher und steht immer da, wo der Ball hinkommt. Gomez ist immer einer, der im Strafraum explodieren kann. Er hat viel mit nach hinten gearbeitet und war für seine Verhältnisse ziemlich laufstark. Das hat mir schon imponiert. Nach einer Hereingabe von Draxler brauchte er einfach nur den Fuß zur 2:0-Vorentscheidung hinhalten.
Draxler krönte dann seine starke Leistung selber mit dem 3:0 in der zweiten Halbzeit (63.), als er aus sechs Metern den Ball volley in den Torwinkel haute.

Als das Spiel entschieden war, wechselte Löw munter durch. Ich dachte eigentlich, dass er Müller raus nimmt und Podolski bringt. Aber der Bundestrainer nahm Draxler raus. Vielleicht wollte er den Jungen noch etwas schonen. Ganz sicher war das bei Boateng der Fall, für den Höwedes einen Einsatz bekam. Schweinsteiger durfte noch ein paar Minuten für Khedira ins Spiel.

Danach brachte die DFB-Elf das Spiel souverän über die Bühne, ließ hinten nichts anbrennen und behielt die Kontrolle über das Spiel. Am Ende war der Sieg klar verdient, erneut spielten die Deutschen zu Null, die Abwehr stand bis auf zwei kleine Wackler, die man in keinem Spiel ausschließen kann, sehr sicher.

Insgesamt muss man wirklich feststellen, dass die Deutschen tatsächlich eine typische Turniermannschaft sind. Wenn man die ersten Spiele betrachtet, wie schwer sie da rein gekommen sind. Jetzt steigern sie sich von Spiel zu Spiel langsam, werden überlegener und nutzen die Chancen vor allem auch effektiver.

Das Turnier geht aber jetzt erst richtig los. Im nächsten Spiel wird sich dann wirklich zeigen, wie stark Deutschland ist. Dann kommt Spanien oder Italien und das ist noch einmal eine andere Hausnummer als die Slowakei.

Foto: Draxler zum 3:0 – (Imago)