Ohne richtigen Sieg ins Halbfinale

Mit dem ersten Angriff im Spiel gingen die Polen in Führung. Lewandowski, welcher schon mit sich haderte, dass er bei der EM noch nicht getroffen hatte, stand bei der Hereingabe von Grosicki goldrichtig und schon mussten die Portugiesen ihre nicht einmal zwei Minuten alte Taktik über den Haufen werfen. 1:0 – Bloß gut! Denn wer sich an das Achtelfinale erinnerte, ahnte vor dem Spiel schon Schlimmes. Dank Lewandowski erwartete die Zuschauer nun aber ein doch recht munteres Spiel, in welchem die Portugiesen vorerst die größeren Spielanteile hatten, aber sich am polnischen Bollwerk lange Zeit die Zähne ausbissen. Zudem gestatteten sich die Portugiesen auch den einen oder anderen Abspielfehler, auf welchen die Polen lauerten. Die brauchten sich auch nur noch aufs Kontern konzentrieren, taten dies aber wiederum nur mangelhaft, weil sie viel zu nervös abschlossen. Dennoch waren sie einfach viel näher am 2:0 als Portugal am Ausgleich. Ganz einfach weil die Polen viel entschlossener zur Sache gingen und so gut wie jeden Zweikampf für sich entscheiden konnten.tiguan

Trotzdem gab es den Ausgleich, durch eine Einzelleistung des bald zu den Bayern gehörenden Riesentalentes Renato Sanches, welcher sich in der 33. Minute ein Herz fasste und von der Strafraumgrenze abzog. Na da werden sich die Bayernfans gefreut haben. Welch ein 18jähriges Juwel haben sie denn da eingekauft?! Flink und frech dribbelte er sich auch nach dem Tor immer wieder in den gegnerischen Strafraum und zeigte, auf was sich die Bundesliga freuen kann. Dagegen blieb ein Ronaldo blass. 43 Ballkontakte von Sanches in der ersten Hälfte sprechen schon eine deutliche Sprache.

Mit 1:1 ging es zum Pausentee und danach kamen die Polen wieder besser ins Spiel und starteten gleich wieder mit einer guten Chance. Aber immer wieder war es Sanches, der auf der anderen Seite für Wirbel sorgte, auch wenn die letzte Durchschlagskraft fehlte. Wer erwartete, dass die Portugiesen nun aber entscheidend mehr Druck auf die Polen ausüben würden, sah sich weitgehend getäuscht. Im Grunde plätscherte das Spiel so weiter vor sich hin, wie schon zum Ende der ersten Hälfte. Um durch die neun Mann in der polnischen Abwehr durchzukommen, fanden Ronaldo & Co. einfach kein Mittel.

Das lud die Polen ein, nunmehr selber das Spiel zu machen, auch wenn sie das ganz offensichtlich nicht so gerne taten. Doch sofort erspielten sie sich eben auch Chancen. Witzigerweise hatten sei am Ende der 90. Minuten sogar mehr Ballbesitz.

Die Hoffnung des neutralen Zuschauers, irgendeiner möge doch noch ein der regulären Zeit das Tor treffen, wurde nicht erfüllt. So schön, dass man sich ernsthaft auf eine Verlängerung gefreut hätte, war das Match nicht. Das Spiel verflachte mit laufender Spieldauer zusehend. Aber was sein muss, musste eben sein.

Und so gab es 30 Minuten Nachschlag, die schnell zusammengefasst sind: Es gab Elfmeterschießen! So langsam könnte sich die FIFA mal Gedanken machen, ob eine Regeländerung nicht Sinn macht. Die Zuschauer und Spieler hätten sicherlich nichts dagegen gehabt, wenn es gleich zum Punkt gegangen wäre. In der Verlängerung riskieren die Teams meist nicht mehr viel.

Erstaunlich sicher erfüllten alle Portugiesen ihre Aufgabe. Den Anfang machte Ronaldo, welcher echt einen schlechten Tag hatte, aber nervenstark blieb. Nur der Noch-Dortmunder Jakub Blaszczykowski behielt die Nerven nicht im Zaum, Keeper Rui Patricio ahnte die Ecke.

Portugal kam eine Runde weiter und steht ohne in der regulären Zeit ein einziges Spiel bei dieser EM gewonnen zu haben ernsthaft im Viertelfinale. Mal sehen wie die UEFA das bald als Erfolg eines unnötig aufgeblähten und in die Länge gezogenen Turniers erklären wird?
Auf die Portugiesen wartet im Halbfinale der Sieger aus der heutigen Partie zwischen Wales und Belgien. Schwer vorauszusagen, wer da das Rennen machen wird.

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