Überraschende Strategie zwingt Dynamo in die Knie

Lucas Höler (Sandhausen) trifft zum 0:2 (imago)

Lucas Höler (Sandhausen) trifft zum 0:2 (imago)

Dynamo Dresden kassierte zu Hause gegen den SV Sandhausen eine derbe 0:4-Klatsche und so bitter es auch war, es war verdient. Natürlich war die Partie mit strittigen Szenen gespickt und mit etwas Glück wäre es vielleicht doch ganz anders gekommen. Unterm Strich muss man jedoch festhalten, der SV Sandhausen hatte sich eine Strategie gegen die spielstarken Dresdner zurechtgelegt, die voll aufgegangen ist. Doch der Reihe nach:

Schon mit Beginn des Spiels war klar, die Gäste würden hier Dynamo das Leben schwer machen.
„Sie haben das taktisch gut gemacht. Sie haben fast über den gesamten Platz Mann gegen Mann gespielt, wir hatten keine Anspielmöglichkeiten, so haben wir nicht unser Spiel aufziehen können“, sagte Manuel Konrad nach dem Spiel. Marco Hartmann erklärte es nochmal genauer:„Sandhausen hat ein ganz anderes System gespielt, als wir erwartet haben. Auch von der Art und Weise. Wir sind gar nicht in unsere Ballzirkulation hineingekommen um den Gegner laufen zu lassen, sondern immer wieder beim Torhüter gelandet. Dadurch haben wir wenig nach vorne zu Stande gebracht.“

Bis auf Marvin Schwäbe stellten die Gäste wirklich die gesamte Zeit alles zu, zwangen Dynamo so indirekt immer wieder über den Torhüter die Spieleröffnung zu suchen. Immer häufiger sah man die Dynamo Spieler ratlos die Hände heben, weil es schlicht keine Anspielstationen gab.

Von Dynamo kam tatsächlich fast das gesamte Spiel gar nichts. Die wenigen nennenswerten Chancen konnte man an einer Hand abzählen und die wurden allesamt kläglich vergeben. Nun feuerte auch Sandhausen nicht gerade ein Offensivfeuerwerk ab, traf aber eben mit der ersten Chance im Spiel. Sicherlich war es glücklich, als der Schuss von Paqarada in der 25. Minute im linken Eck des Dresdner Tores landete.Quickfit

„Die schießen halt einen Ball in den Knick rein. Das ist bitter. Da liegste zurück gegen eine der konterstärksten Mannschaften“, so Marco Hartmann.

Aber Zeit genug das Spiel zu drehen gab es allemal noch. Und damit kommen wir gleich zur 62. Minute des Spiels, denn bis dahin gab es auf beiden Seiten kaum Erwähnenswertes. Außer vielleicht, dass Uwe Neuhaus bereits reagiert hatte und Markkanen sowie Aosman für Berko und Konrad brachte.

In jener Minute zappelte der Ball im Netz des SV Sandhausen und während das Stadion in kollektiven Jubel ausbrach, bemerkten die Fans erst nach und nach, dass bei dem wunderschön hervor getragenen Konter der Schiedsrichter gar nicht mitgelaufen war. Der stand im anderen Fünf-Meter-Raum neben Marvin Schwäbe und wartete darauf, dass die Spieler seinem Freistoßpfiff endlich respektieren würden.

Das große Pech dabei: Es war ein Foul an einem Dresdner und eigentlich hätte der Schiri auch Vorteil laufen lassen können. Doch er tat es nicht und der Pfiff war auch nicht zu überhören. Das gab selbst Patrick Möschl nachher zu: „Ich hab schon irgendwie einen Pfiff gehört, aber alle sind nach vorn gelaufen, ich bin natürlich durchgelaufen, vielleicht hätte es ja doch gezählt.“

Hätte, wenn und aber… Zählt der Treffer, wäre wahrscheinlich nochmal ein Ruck durch die Mannschaft und das Stadion gegangen und die Schwarz-Gelben wären unter Umständen sogar als Sieger vom Platz gegangen.

Stattdessen gab es noch drei dicke Dinger für Marvin Schwäbe aus dem Netz zu holen.

Die Analyse vom Kapitän war kurz und knapp: „Unsere Angriffsabsicherung war unfassbar schlecht und unser taktisches Verhalten bei allen drei Gegentoren in der zweiten Halbzeit war desolat und darf so nie wieder vorkommen.“

Bezeichnend dabei war das 0:4. Nachdem Daghfous alleine auf das fast leere Tor – Schwäbe war schon geschlagen – laufen konnte, rettete Philip Heise sensationell auf der Linie. Doch nur wenige Sekunden später gelang es Daghfous trotzdem, im zweiten Versuch den Ball in die Maschen zu hämmern. Die Bankrott-Erklärung zumindest für diesen Tag.

Dass Schiri Timo Gerach exakt nach 90 Minuten abpfiff, war eine Erlösung. Gab es in der Halbzeit noch vereinzelte Pfiffe, war davon nun aber nichts zu hören. Die Fans feierten ihre Verlierer, als hätten die gerade 4:0 gewonnen. „Das ist ganz großes Kino, was die Fans hier machen, so etwas habe ich noch nie erlebt. Hut ab“, war Neuzugang Patrick Möschl begeistert. Marco Hartmann fand aber auch mahnende Worte: „Das tut gut, darf man aber auch nicht dazu nutzen, dass das Spiel zu schnell abgehakt wird!“

Nächste Woche gilt es für Dynamo in Bochum. Das wird auswärts sicherlich ein anderes taktisches Spiel. Zu erwarten ist aber, dass sich nun auch andere Mannschaften beim SV Sandhausen abgeschaut haben, wie man Dynamo in die Knie zwingen kann. Marco Hartmann beruhigt diesbezüglich aber schon ein wenig: „Es ist ja auch nicht das erste Mal. Wir haben das ja schon wesentlich besser gelöst. Es liegt ja nicht nur am Gegner, es ist auch unser eigener Umgang damit.“ Auch Florian Ballas sah diese Gefahr ähnlich gelassen: „Darauf müssen wir uns einstellen, aber genauso wie Sandhausen uns analysiert hat, werden wir die Woche das Spiel analysieren und uns das ein oder andere einfallen lassen, wie wir mit der Situation besser umgehen können, wenn es wieder so kommt.“

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