Zu einfach für diese Liga

Der Knackpunkt im ohnehin schlechten Spiel. Gelb-Rot für Duljevic (Imago)

Der Knackpunkt im ohnehin schlechten Spiel. Gelb-Rot für Duljevic (Imago)

Nach einer erneut dürftigen Vorstellung und einer 0:1-Niederlage gegen Sandhausen ist die Stimmung im schwarz-gelben Lager gespalten. Während die eine Seite versucht die mangelhaften Leistungen schön zu reden, hauen andere auf alles und jeden und machen auch vor der Trainerfrage nicht halt.

Klar, Dynamo wäre auch nicht Dynamo, wenn es nicht ganz genau so wäre. Denn so geht es seit Jahrzehnten. Die Ansprüche in Dresden sind hoch, die Realität vergleichsweise niedrig. Kein Wunder, dass bei zwei Niederlagen in Folge der Notstand ausgerufen wird, während andere sich zu den einzig wahren Fans erklären und jede noch so sinnvolle Kritik in die Schublade „Blöde Erfolgsfans“ stecken wollen.

Doch Kritik ist angebracht. Es bringt nichts, die Leistungen der letzten beiden Spiele noch zu beschönigen. Dabei ziehen sich die Probleme durch alle Abteilungen, Torhüter Schubert ausgenommen.
Ihm konnte man an den insgesamt fünf Buden kaum einen Vorwurf machen.

Seinen Vorderleuten dafür umso mehr.

Die Abwehr war zwar gegen Sandhausen nicht das Problem, im Spiel zuvor jedoch der Grund für die frühe Niederlage und das hinterherlaufen.

Gestern war es eher die Einfallslosigkeit im Mittelfeld, welche es auch den Stürmern schwer machte. Röser und Mlapa sehen dann aus wie Fremdkörper und während der eine noch optisch zumindest den Versuch macht ins Spiel zu kommen, gelingt Mlapa nicht nur nicht viel, am Ende kommt dann auch noch Pech hinzu, als er tatsächlich für die Sandhäuser in der letzten Sekunde auf der Linie klärt. Nicht absichtlich, nein, er stand einfach im Weg, welch Ironie.

Damit ist er nicht der erste schwarz-gelbe Stürmer, der auf Grund der schlechten Leistungen im Mittelfeld als Fehleinkauf abgestempelt wird. Mickael Poté lässt grüßen. Poté hatte nur den Vorteil in einer guten Saison schon unter Beweis stellen zu können, dass er es eigentlich drauf hatte. Mlapa glänzte aber auch in seinen ehemaligen Vereinen nicht gerade mit Toren vom Fließband.

Doch an ihm die Niederlagen fest zu machen, wäre natürlich viel zu einfach. Es zieht sich durch die gesamte Mannschaft und auch der Trainer muss seine Spielweise mal hinterfragen lassen.

Es war doch klar, dass Sandhausen sofort Druck machen würde. Da half auch die taktische Änderung wenig. Zwar hatten die Gastgeber zu Beginn des Spiels damit keinen zählbaren Erfolg und manch einer wird darin auch eine hervorragende Abwehrleistung der Dresdner sehen wollen. Aber Fakt ist auch, dass mehr als diese Vorstöße zu verhindern, nicht drin war. Selber Fußballspielen beschränkt sich bei den Schwarz-Gelben wie fast immer nur auf Ballbesitzfußball in der eigenen Hälfte und dem dann oft folgenden hilflosen hohen Ball in die Spitze. Zu einfach für diese Liga.

Natürlich gab es Zeiten als ein kreatives Mittelfeld spielerisch überragend diese Ballbesitzzeiten in geniale Chancen verwandelte, doch genau daran hapert es wieder einmal. Was immer im Trainingslager trainiert wurde, besonders hilfreich scheint es nicht gewesen zu sein. Die Ideen aus dem Mittelfeld sind weg. Und man kann das doch wirklich nicht alles mit dem Fehlen von Kapitän Marco Hartmann erklären wollen?

Auch die Standards sind als Waffe völlig unbrauchbar. Die könnte man doch eigentlich trainieren? Aber was Philip Heise derzeit so nach innen oder vorne bringt, ist meist völlig harmlos. Besser wurde es, als Kreuzer das Treten der Freistöße übernahm. Doch Kreuzer wurde vom Trainer erneut zu Beginn der Platz auf der Auswechselbank zugedacht.

Und die nicht wirklich nachvollziehbare Aufstellung bringt dann auch den Trainer in die Kritik. Klar, er kann die Trainingsleistungen am besten beurteilen und muss dies auch. Wenn aber Spieler auf dem Platz nicht die Leistung bringen, die sie eigentlich bringen könnten, stellt sich der Beobachter schon die Frage, wieso er und nicht der andere? Und auch die Frage betrifft gleich mehrere Positionen.

Doch wechseln tut Uwe Neuhaus nicht so gerne. In der 73. Minute brachte er Kreuzer für Berko und erst in der 86. Aosman für Seguin. Konnte man nicht eigentlich dreimal wechseln oder haben die Regeln sich geändert?
Dynamo spielte seit der 54. Minute in Unterzahl, weil Duljevic mit hohem Bein in den Zweikampf ging und die Gelb-Rote kassierte. Dennoch ließ Neuhaus nahezu durchspielen. Dass er dafür Kritik ernten würde, sollte Dynamo verlieren, muss er als alter Trainerfuchs wissen. Vor allem wenn Kreuzer und Aosman für mehr Dynamik im Spiel sorgen und so auch noch unterstreichen, dass viel zu spät gewechselt wurde.
Doch wie nun weiter? Die Probleme sind offensichtlich. Wird Dynamo deshalb auf dem Transfermarkt noch einmal zuschlagen? Bis Mittwoch gäbe es die Chance noch. Die Zeichen stehen aber eher auf einem weiter wie bisher. Es ist natürlich auch schwierig, denn es müsste erst einmal ein bezahlbarer Stürmer auf dem Markt sein. Auch im Mittelfeld ist Dynamo eigentlich hervorragend aufgestellt, wenn denn die Protagonisten ihre Leistung auch mal wieder abrufen.

Die Abwehrreihen waren dieses Mal nicht das Problem. Und individuell betrachtet sollte es da auch gar keine Fragen geben. Neuhaus hat eher ein Luxusproblem in der Viererkette.

Klar, der Kader hat nicht die Qualität um ganz oben mitzuspielen, aber um im Mittelfeld der zweiten Liga anzukommen, sollte es ohne Probleme reichen. Momentan trennt die Schwarz-Gelben aber nur ein Punkt zum Abstiegsrelegationsplatz. Am nächsten Sonntag kommt Bochum nach Dresden. Der Vfl ist in ähnlicher Position, nämlich punktgleich mit Dynamo. Ein Sieg muss her. Nicht mehr und nicht weniger.